Flug über die Sahara

Medizinische Versorgung für Wüstensiedlung Bardai

In der Wüstensiedlung Bardai im Tschad stand das neu erstellte Spital sechs Jahre leer. Nun arbeitet dort ein britisches Ärzte-Ehepaar. Dank der Arbeit eines Linguisten wird die lokale gesprochene Sprache der Teda nun auch schriftlich genutzt und kann gelernt werden.

Es ist bereits Abend, als die Cessna Caravan der MAF nach einem 5-stündigen Flug von der Hauptstadt des Tschad, N’Djamena, auf der Sandpiste in Bardai landet. An Bord befindet sich der Linguist Rivers Camp. Seit 20 Jahren lebt er in Bardai und hat während dieser Zeit die Sprache der Volksgruppe Teda als Schriftsprache entwickelt.

Das moderne Spital – bis vor kurzem ohne Ärzte
Teda wird inzwischen nicht nur von Einheimischen gelernt, um Computerkurse zu absolvieren oder Briefe zu schreiben: Auch das Ärzte-Ehepaar Mark und Andrea Hotchkins lernt Teda, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Die beiden waren 2017 nach Bardai gezogen und betreiben das Spital der Ortschaft – er als Chirurg und sie als Gynäkologin. Obschon das Spital von der Regierung mithilfe einer EU-Finanzierung bereits 2012 fertiggestellt wurde, blieb es während sechs Jahren leer, da sich keine einheimischen Ärzte fanden, die dort arbeiten wollten. «Die Situation war bizarr: Vermutlich war es das bestausgerüstete öffentliche Spital im Tschad – doch niemand war da», so Mark. Die erste Reise von N’Djamena nach Bardai bestritten die Hotchkins auf dem Landweg. Sie brauchten dafür drei Tage, an denen sie je 14 Stunden unterwegs waren. Ausserdem hatten die Fahrzeuge in der brütenden Hitze oftmals Pannen, erinnert sich Andrea. «MAF im Tschad zu haben, ist für uns ein riesiger Vorteil. Wir können die Reise nach N’Djamena so in einem Tag bewältigen und alle fünf bis sechs Monate problemlos eine Auszeit nehmen», erklärt die Britin. Dank dem Einsatz des Ehepaars können auch die isoliert lebenden Teda in ihrer Heimat medizinisch versorgt werden. Die Ehepaare Hotchkins und Camp sind jedoch nicht die einzigen Ausländer, die in Bardai anzutreffen sind: Regelmässig bekommen die Wüstenbewohner Besuch aus Kalifornien.

Zahnärztliche Hilfe aus den USA
Dr. Kevin* und seine Dentalassistentin Erika* aus San Francisco reisen fast jährlich in die Sahara, um ihre Dienste kostenlos zur Verfügung zu stellen. Von der Hauptstadt geht es mit MAF weiter nach Bardai. «Die Menschen müssen sonst während Jahren mit Schmerzen leben, ohne dass ihnen geholfen werden kann», schildert Kevin anlässlich seiner letzten Reise Ende 2017 die Situation.
So vielfältig die humanitären Einsätze auch sein mögen – eines haben sie gemeinsam: Die lokale Bevölkerung soll dort unterstützt werden, wo sie es dringend nötig hat. MAF trägt mit den Transporten dazu bei, dass Hilfe ankommt und langfristig gewährleistet wird – bis in die nördlichsten Gegenden des Tschad.

*Familiennamen bewusst weggelassen

Facebook
Instagram
Twitter